2020 – was ein Jahr

Ich möchte hier einen Überblick über für mich spannende Entwicklungen geben. Einfach über Themen, welche ich in 2020 entdeckt oder in 2020 entstanden sind. Das Ziel wäre ab 2021 alle paar Monate über Themen zu schreiben, die mich umtreiben.

Die meisten Themen hier kommen aus meiner Podcast-Liste oder über Webseiten wie theverge.com, anandtech.com, etc.

2020

Als Einstieg eine Lektüre von Andreessen Horowitz, warum die westlichen Institutionen nicht gut auf die Pandemie vorbereitet waren – natürlich aus amerikanischer Sicht geschrieben:

It’s time to build

und zum Anhören auch als Podcast.

Herr Andreessen sagt im Grunde: Die westliche Welt ist zu gemütlich geworden und will nicht mehr Neues erschaffen. Er bringt dafür Beispiele in den Bereichen Wohnungsbau (zu wenig Wohnungen), Bildung (Top Universitäten bilden nur einen mikroskopischen Teil der Jungendlichen aus, warum nicht jeden?), Produktion & Herstellung (wo bleiben die vollautomatisierte Fabriken) und Verkehr (Dronen, Fliegende Autos, etc). Seine Lösung? Mehr Geld, Mut und größer Denken. Seine direkte Frage an die Leser: Erschaffst du etwas, hilfst du anderen etwas zu erschaffen oder kümmerst du dich um andere, die etwas erschaffen? Wenn nicht so ist es die Aufgabe der Gesellschaft dich in eine Position zu bringen um mitzuhelfen.

Eine andere Art dieses Thema zu betrachten ist, dass die Produktivität der Menschheit schon seit 2010 nicht großartig steigt. Das kann mehrere Gründe haben (und niemand weiß genau warum). Die letzte größere Produktivitätssteigerung kam durch den PC / das Internet, wobei da die großen Effizienzen bis 2010 gehoben wurden. Seitdem ist die Produktivität wieder gesunken (u.a. Seite 6).

Also auf zu neuen Ufern! (Wie war das mit dem “Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt?”)

Crashkurs Biologie

Spätestens im April diesen Jahres hat wohl jeder einen Crashkurs in Biologie und Virologie bekommen. Begriffe wie Aerosole, Inkubationszeit, Reproduktionszahl hört man seitdem täglich im Small-Talk über Zoom.

Welche Fortschritte in der Biomedizin und im Biotech in den letzten Jahren erzielt (und welcher Fokus auf einem Impstoff gerichtet) wurden, zeigt diese Grafik:

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphar.2020.00937/full

Durch die massive Parallelisierung der Impstoffforschung aber auch der bereits gestarteten Produktion von noch nicht zugelassenen Impfstoffen wurde sicherlich viel Zeit gespart. Trump’s Operation Warp Speed ist wohl mit 18 Mrd US-Dollar ausgestattet und plant innerhalb von 24 Stunden nach Freigabe eines Impfstoffes bereits mit der Verteilung zu starten. Sollte tatsächlich noch in diesem Jahr eine erste Impfung stattfinden hat die Entwicklung eines Impfstoffes weniger als 12 Monate gedauert. Um den Prozess noch weiter zu beschleunigen wird in den USA bereits kontrovers über Challenge Trials diskutiert, welche den bisher längsten Zeitraum (Clinical Trials) noch deutlich verkürzen könnte.

Doch nicht nur im Bereich der Impfstoffherstellung sind in den letzten Jahren massive Fortschritte erzielt worden. Um wieder Andreessen zu zitieren:

Bio today is where information technology was 50 years ago: on the precipice of touching all of our lives. Just like software—and because of it—biology will one day become part of every industry. 

aus Biology is Eating the World: A Manifesto

Dafür hat man bei A16Z einen extra Fund aufgesetzt und dazu eine Podcast Serie Bio Eats World (nach dem Artikel “Why Software Is Eating The World (2011)) aufgelegt. Zweimal wöchentlich steigen die Moderatoren mit hochkarätigen Gästen tief in wissenschaftliche Artikel im Bereich BioTech ein:

Alles sehr tiefgreifend? Jupp, wahrscheinlich wie die ersten Paper zum Internet und dessen Möglichkeiten…

Influencer war gestern, die neuen Fan Clubs & Möglichkeiten für Kreative

Die Verdrängung der Massenmedien durch soziale Medien bedeutet auch, dass die Celebrities der Massenmedien in den letzten Jahren deutliche Konkurrenz bekommen haben. Diese nennen sich neuerdings Influencer und jeder mit Handy und Instagram Account schimpft sich gefühlt so. Dabei ist wie im Zeitalter der Massenmedien die Bandbreite sehr groß, zwischen A und C – Celebrities, wenn man so will.

Auch bei den Influencer gibt es Einzelpersonen mit mehreren Millionen Followern auf Instagram oder Youtube. Diese müssen allerdings per Definition durch eine große Zielgruppe ansprechen und damit auch “massentauglich” sein. Früher gab es mal die Daumenregel, dass man als Kreativer von mindestens 10.000 Personen im Jahr 10 EUR erhalten sollte, um ein halbwegs anständiges Geschäftsmodell zu haben. 10.000 Personen hört sich jetzt erstmal viel an, auf Grund des einfachen Zuganges zu seinen Kunstwerken (Videos, Podcasts, Newsletter, Bildern, …) über das Internet kann man diese 10.000 Personen ja auf der ganzen Welt finden.

Was hat sich jetzt in den letzten Jahren getan? Durch Plattformen wie Patreon, Substack, können Fans ihre Kreativen direkt unterstützen mit monatlichen Beiträge von 1 EUR bis 1.000 EUR. So kann man als Kreativer sich jetzt entweder eine sehr große Fangemeinde aufbauen und diese mit 1-5 EUR / Monat monetarisieren oder und das hier ist super spannend: Eine sehr, sehr kleine, vertraute Fanbase von vielleicht 100 Leuten. Wenn diese 100 Leute allerdings bereit sind im Monat 100 EUR für deinen Medien / Kunstwerke zu zahlen, dann kannst du davon leben. (Die 100.000 EUR / Jahr sollen zur einfachen Rechnung und Beispiel diesen). Kernaussage: Plattformen wie Patreon ermöglichen es digitalen Kreativen von sehr wenigen, hoch motivierten Fans zu leben. Unter anderem ist Ben Thompson von Stratechery ein Paradebeispiel im Newsletter Bereich.

The New Fan Club: Creators, Fans, and the Power of Markets (& Crypto) — a16z Podcast

Wenn ein(-e) Künstler/-in, zum Beispiel Maler, erfolgreich / bekannt wird, so kann er/sie die späteren Werke natürlich für mehr Geld verkaufen und somit am Ruhm partizipieren, allerdings ist er / sie ja wahrscheinlich auf Grund seiner früheren Werke erfolgreich geworden und an der Wertsteigerung kann er / sie nicht partizipieren. Im schlimmsten Fall kann die Person keine neuen Kunstwerke mehr erschaffen und hat somit keine direkte Möglichkeit an der Wertsteigerung zu partizipieren. Hier gibt es erste Möglichkeiten über einzigartige kryptografische Tokens (non-fungible Tokens) dieses Problem anzugehen. Damit kann ein Künstler ein Kunstwerk mit einem einzigartigen Token versehen und in den Algorithmus des Tokens zum Beispiel mit einbauen, dass er als Künstler vom Weiterverkauf des Kunstwerkes mit einigen Prozentpunkten partizipiert. Finde ich super genial und sehr, sehr fair!

https://overcast.fm/+BlzHJupmQ

Bildung: Warum? Kartell und Virtualität?

Warum gibt es Universitäten? Was wäre / sind für dich Gründe an einer Universität zu studieren? Im Grunde bekommst du verschiedene Leistungen: Den Lehrinhalt, einige Jahre vogelfreie Zeit dich zu entwickeln, ein bisschen Dating ist auch dabei und das Netzwerk aus Kommilitonen und Alumni,. Nicht zu vergessen: Deine spätere Karriere hängt von deinen Leistungen in der Universität, deinem Studienfach und deinem Abschluss ab. Also anders herum können Unternehmen durch diese Informationen ihre Bewerberauswahl einschränken. Ganz besonders wird letzteres an folgendem Beispiel klar (auch Sheep Skin Effekt genannt): Wenn dir nur ein Credit zu einem Bachelorabschluss fehlt, wirst du es im Bewerbungsprozess schwieriger haben und auch weniger verdienen als jemand, welcher den Abschluss hat. Ist der letzte Credit also soviel mehr Wert als die anderen?!

Zurück zur Frage: Warum Universität? Lehrinhalt (einfach austauschbar und ersetzbar), sich entwickeln (gibt es sicherlich bessere Möglichkeiten), Dating (Tinder). Bleiben Netzwerk und Abschluss übrig. Aktuell kostet ein MBA kostet pro Jahr ca 112.000 USD. Wieviel würdest du bezahlen, um nur Netzwerk und den Titel zu tragen? Kein Inhalt, keine Vorlesungen oder Prüfungen? Im Grunde geht es darum, welche Leistungen von Universitäten können herausgezogen werden?

Eine andere Frage: Was haben Krankenhäuser und Universitäten gemeinsam? Laut Andreessen sind das alles Kartelle, gesponsort vom Staat. Aus rein ökonomischer Sicht gesprochen, sind die Einstiegshürden (künstlich) so hoch gesetzt, dass es seit Jahrzehnten keine Neuzugänge gibt und so strikt, dass man wenig anders machen kann. So wird das Angebot beschränkt. In Deutschland stellt der Staat ja die Nachfrage bei der Bildung dar (bezahlt diese) oder die Krankenversicherungen zahlen das. Ist es hier nicht spannend, dass Ausgaben für Bildung und Gesundheit nie sinken oder deutlich besser werden?

Das soll alles keine Verschwörungstheorien starten, sondern zum Nachdenken anregen.

Aktienmarkt USA & IPOs / SPACs

Wollte man an die Börse gehen hat man früher einen IPO gemacht. Jetzt ist in 2018 Spotify bereits mit einem Direct Listing an die Börse gegangen, dicht gefolgt von Slack und dieses Jahr von Palantir. Aber in 2020 ist eine alte Möglichkeit wiederbelebt worden: SPACs! In 2020 gab es bereits 112 SPACs, in 2019: 59 SPACs. Per SPAC an die Börse gegangen sind Virgin Galactic und DraftKings, kommend MetroMile, dabei wird immer wieder ein Name fallen: Chamath Palihapitiya (was er alles vor hat, erzählt er hier).

Spannende Firmen auf dem öffentlichen Parkett

Dank der Höhenflüge der großen US Indizes, wie S&P 500 oder NASDAQ, sind dieses Jahr auch einige spannende Firmen an die Börse gegangen. Hier eine kleine Auswahl, ohne Empfehlung oder Anspruch auf Vollständigkeit – einfach spannende Geschäftsmodelle.

Wer noch nicht weiß, was ein Metaverse ist, sollte sich dringend einlesen. Roblox, eine Spiel, nennt die Adaption des Metaverse als einer der Hauptrisiken für das Business im S-1 Filing. Was hat es damit auf sich? Roblox bietet vor allem jungen Spielern (unter 13 Jahren) die Möglichkeit des freien Spiels. Man erstellt seinen Charakter und wählt aus hunderten von Spielen aus (Achterbahnen bauen, Superheld spielen, Heißluftballon fahren oder einen Pizzalieferdienst leiten). Dabei bauen meist ältere Spieler ihre eigenen Welten und lernen dabei nebenbei programmieren. Und Roblox teilt den Umsatz dann auch mit denjenigen: fast 300 Mio USD wurden bereits an Spieler ausgezahlt. Umsatz 2020 bisher knapp 600 Millionen USD, 150 Millionen monatlich aktive Spieler. Wichtigste Grafik:

Noch fragen? 🤯

Lemonade & MetroMile

Wie kann man die Versicherungsbranche neu denken? Lemonade sagt wir gehen auf die junge Generation, die sich eigentlich mit gar nichts beschäftigen will und bieten denen eine super easy Möglichkeit Schäden einzureichen (Foto vom Schaden machen, sofort Geld überwiesen bekommen). Warum das Wellen schlägt: Man schließt keine Versicherung ab, sondern man wird Teil einer Community! Und du betrügst ja nicht deine Community, oder? Also bitte nur das melden, was wirklich passiert ist! So einfach geht das. Stichwort: Vertrauen. Außerdem wird ein Teil der Prämie an gemeinnützige Organisationen deiner Wahl gespendet.
Die Ambitionen sind allerdings viel größer: Wenn die jungen Kunden erstmal begeistert sind, wie einfach das ist – wieso sollte man nicht andere Versicherungen (Lebensversicherung, Krankenversicherungen, etc.). Das Kalkül: Wenn man schon mal gesehen hat, wie einfach (und cool) Versicherungen sein können, warum mit 200 Seiten Policy herumschlagen?

MetroMile geht die Autoversicherungen an – mit Hilfe einer Box im Auto trackt es alles und man zahlt dafür nur was man auch fährt. Aktuell ist es km basiert, allerdings ist es naheliegend bald noch mehr Signale aus der Box einfließen zu lassen: Fährst du zu schnell? Dann wird die Versicherung teurer? Immer in der Rush Hour unterwegs? Teurer! Starkes Bremsen und Beschleunigen, laute Musik? Ihr wisst schon…
MetroMile wird übrigens nicht klassisch an die Börse gehen, sondern als SPAC.

Unity

80% aller Games und gehen in neue Anwendungsbereiche

Snowflake

Daten sind wichtig? Snowflake hilft!

Zum Kopfschütteln:

One more thing…

Fortnite & AntiTrust

Fornite kicked off the App Store and Microsoft’s Surface Duo arrives on Sept 10th — The Vergecast https://overcast.fm/+QN1pM54xE

M1 Chip blamiert Intel

https://jamesallworth.medium.com/intels-disruption-is-now-complete-d4fa771f0f2c

Prognose voraus?

Ohne Glaskugel ist das schwierig vorherzusagen. Ich bin persönlich gespannt, ob zu den großen Themen: BioTech, EdTech, auch in 2021 das Thema psychische Gesundheit mehr in den Vordergrund rückt. Brodeln tut es seit einigen Jahren auf jeden Fall, auch in Deutschland!

Kommt gut ins neue Jahr und ich bin gespannt auf 2021!

Onwards,

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